Britta Kibke

Augenheilkunde beim Pferd

Die Augen des Pferdes sind Spiegel seiner Seele, seines Wohlbefindens. Sie sind ein hoch spezialisiertes Sinnesorgan mit physikalisch-optischen und nervalen Anteilen sowie komplexen Stoffwechselvorgängen. Wenn das Auge erkrankt, stellt es häufig ein ernstzunehmendes Problem dar und ist mit Schmerzen und Leistungsminderung verbunden. Es kann zu bleibenden Schäden mit dauerhafter Beeinträchtigung des Sehvermögens und Wohlbefindens des Tieres kommen.
Die Erkrankungen können vielfältige Ursachen haben, trotzdem sind die Symptome zunächst oft ähnlich: Das Pferd zeigt Schmerzen mit Zukneifen und Schwellung der Augenlider und vermehrten Tränenfluss. Es kann sich eine harmlose Bindehautentzündung dahinter verbergen, oder eine schwerwiegende Entzündung des Innenauges. Nur der rasche Einsatz der richtigen Medikamente kann Folgen, wie chronische Schmerzen und vermindertes Sehvermögen verhindern. Auch mag eine Veränderung im Gewebe, z.B. eine Verfärbung harmlos erscheinen, doch es kann der Beginn einer Tumorerkrankung sein. Daher ist eine umfassende, genaue Untersuchung und u.U. die Entnahme von Proben so wichtig.
Verletzungen im Bereich des Kopfes betreffen nicht selten die unmittelbare Augenumgebung, auch hier sollte unter Berücksichtigung der speziellen Anatomie des Auges und seiner Anhänge die optimale Versorgung durchgeführt werden.
Allgemeine Augenuntersuchungen:

Ausführliche Untersuchung des Auges und seiner Umgebung:
Binokulare Spaltlampenmikroskopie (Untersuchung der vorderen Augenabschnitte)
Direkte und indirekte Ophthalmoskopie, v.a. zur Darstellung des Augenhintergrundes
Tonometrie (Messung des Augeninnendrucks)
Spezielle Augenuntersuchungen:

Sonografie
Fluoreszein-Test im Kobaltblaulicht, Schirmer-Tränen-Test, Lissamin-Grün-Färbung
Bakteriologie, Virologie, Zytologie, Histologie
Spülung der Tränen-Nasen-Kanäle
Skiaskopie / Retinoskopie:

Mit dieser Untersuchung kann eine Fehlsichtigkeit, also Kurz- oder Weitsichtigkeit ermittelt werden. Hierbei lässt man einen strichförmigen Lichtstrahl durch das Auge gleiten und beurteilt anhand des Reflexes die lichtbrechenden Strukturen. Mit Einsatz diagnostischer Linsen und daraus resultierender Änderung der Reflexe lässt sich bestimmen, ob die optischen Informationen genau auf der Netzhaut des Auges abgebildet werden oder etwas davor (Kurzsichtigkeit) oder dahinter (Weitsichtigkeit).
Auch wenn für das Tier noch keine praktikable Lösung für die Korrektur einer Fehlsichtigkeit besteht, ist es sinnvoll um eine solche veränderte Sinnesleistung zu wissen. Bei wiederholt auffälligem Verhalten gegenüber optischen Reizen oder z.B. vor der Auswahl eines jungen Pferdes für den Leistungssport bringt diese Untersuchung wichtige Informationen.
Therapeutisch-/ Chirurgische Eingriffe in Standnarkose:

Lidrandchirurgie
Eingriffe an der Hornhaut und den Lidbindehäuten
Temporäre Salben (SPL)-Katheter
Therapeutische Injektionen bei Periodischer Augenentzündung
Gewebsproben-Entnahme
Enukleation (auf Wunsch mit Implantat)
Gut zu wissen:

Augentropfen / -salben sind nach Anbruch ca. 6 Wochen haltbar. Mit älteren Medikamenten können Sie z.B. Infektionen verschleppen oder es handelt sich gar nicht um einen geeigneten Wirkstoff, was u.U. die Situation verschlimmern könnte.
Antibiotikahaltige Tropfen sollten nur nach tierärztlicher Untersuchung und möglichst nach Resistenzbestimmung eingesetzt werden.
Der Erhalt der Wirksamkeit von Antibiotika ist für Mensch und Tier bedeutsam. Sicher haben auch Sie schon von den zunehmend resistent werdenden Keimen in der Humanmedizin gehört?
In dem Zusammenhang ist der Erhalt einer wirksamen Menge des Medikamentes im Auge wichtig. Die so genannte "Tear-turn-over-Rate", also die Zeit, in der sich der Tränenfilm erneuert, beträgt beim Pferd ca. 7 Minuten. Auch wenn in dieser Zeit Wirkstoffe resorbiert werden, ist es ein Kompromiss wenn eine 5 x tägliche Verabreichung angeordnet wird, wohl wissend, dass die Organisation schwieriger als beim Heimtier ist.
Für die Stall-Apotheke empfehlen wir eine Bepanthen-Augensalbe oder Oculoheel Augentropfen, die z.B. bei leichten Reizungen der Bindehäute verwendet werden können.